In this 1990 Vienna lecture and discussion, philosopher Ladislav Hejdánek reflects on the crisis of modern language and existence, which he identifies as a crisis of "being in truth." He argues that truth is not a human construct but a transformative address that transcends us, possessing a personal character. A central theme is the radical re-evaluation of time; Hejdánek critiques traditional Greek metaphysics and its static concept of fulfillment. He posits that the past exists only through the interpretation of present relics, while the true foundation of history and the present is the incoming future. This future arrives as the "impossible," becoming reality only through human activity and faith. Hejdánek defines faith as total openness to this future and a liberation from the bonds of the past. Drawing on Karl Rahner, he discusses God as the "absolute future." Ultimately, Hejdánek calls for a separation of the Christian message from Greek philosophical traditions to rediscover the dynamic relationship between faith, freedom, and historical eventfulness.
Diskuse ve Vídni [1990]
[strojový, neredigovaný přepis – model Gemini 3 (flash/pro) – únor 2026]
--- (A24b 1990-05-11 Vídeň, čísi přednáška německy, pak diskuse s Hejdánkem [mikrokazeta]_cleaned.flac) ---
Hejdánek: So, das ist eigentlich schon groß, und man kann es auch fast beweisen, sondern einfach zunächst mal feststellen, wie ich so...
Ein Zugang zur Erkenntnis. Und zwar ganz allgemein. Gar nicht die Frage, ob wir jemanden wie Gott erkennen, sondern einfach überhaupt das Ich bin, die Menschheit, was immer es sei.
Ich glaube, dass das immer wieder – und das ist das, was wir sagen – immer wieder von alleine in den Graben, auf die schiefe Bahn gerät. Dieses Gehen in diese Freiheit, diese Welt zu verstehen, das hat eine Unruhe und eine Konfusion in sich, die zur Erschöpfung führt, was immer es sei. Die Sehnsucht, die Sehnsucht nach dem Ende, die Sehnsucht nach der Vollendung, die Sehnsucht nach dem [nesrozumitelné].
Das geht praktisch über die Seele in die Atmosphäre, in einer nicht recht fassbaren Weise, nur als Aufbau von Möglichkeiten und Wahrheiten, wie immer man es sagen mag. Und umso mehr an diese Gefahr – diese Gefahr, die wir in dieser Dimension im Augenblick haben – ist die Sprache.
Die Dimension der Sprache und der Philosophie. Und von einer Erfahrung der Theologie und der Religion her, eine Dimension, die man die Dimension des Nicht-Verständnisses nennen kann. Ein Wort, ein Name, eine Unendlichkeit von Programmen, die morgen schon bestehen. Die Dinge fallen aus den Händen. Die Dinge fallen aus dem Kontext.
In dieser Unruhe, in dieser Erschöpfung, in der Unmöglichkeit und Unbestimmbarkeit dessen, was möglich geworden ist, in dem Moment wird die Sprache – und zwar ganz unabhängig von einem Programm, ganz unabhängig von einer Sprechmaschine – in dem Moment ist die Notwendigkeit immer notwendig geworden. Und der Glaube ist eben nichts mehr als eine Gemeinsamkeit der Sprache. Gleichzeitig ist er die Gemeinsamkeit der Wahrheit, und zwar nicht der Wahrheit, die wir besitzen, sondern der Wahrheit, die uns besitzt. Und diese Wahrheit ist nicht ein System von Sätzen, sondern sie ist eine Person. Und diese Person ist die Wahrheit selbst.
To je ta otázka, kterou si musíme položit: zda je možno mluvit o pravdě jako o něčem, co nás přesahuje, co nás oslovuje, anebo zda je pravda jenom výsledkem naší vlastní konstrukce, našeho vlastního myšlení. Jestliže je pravda jenom naším výtvorem, pak jsme v ní uzavřeni jako v nějakém vězení. Pak není cesty ven, pak není skutečného setkání s tím, co je jiné. Ale jestliže nás pravda oslovuje, jestliže nás pravda [nesrozumitelné], pak se nám otevírá nový prostor, prostor svobody. A to je, myslím, to podstatné, co je třeba si uvědomit i v souvislosti s tou krizí řeči, o které jsme mluvili. Chtěl bych k tomu dodat ještě jednu věc, a sice, že ta krize řeči souvisí s tím, že jsme ztratili schopnost naslouchat. Nejenom naslouchat jeden druhému, ale naslouchat právě tomu oslovení, o kterém byla řeč. Jestliže pravda je to, co nás oslovuje, pak se musíme ptát, jakým způsobem jsme schopni na toto oslovení odpovědět. Ta odpověď se děje právě v našem životě, v našem jednání, ale také v našem mluvení. Jestliže naše mluvení je v krizi, pak je v krizi i naše schopnost odpovídat na pravdu. Ta krize řeči tedy není jenom nějakou technickou záležitostí, že bychom se špatně vyjadřovali, ale je to krize našeho bytí v pravdě. A to je, myslím, ten nejpodstatnější moment, který si musíme uvědomit, když mluvíme o krizi moderní společnosti. Nejde jenom o ekonomické nebo politické krize, ty jsou jenom důsledkem něčeho hlubšího, a to hlubší je právě ten rozchod s pravdou, ta neschopnost nechat se pravdou oslovit. Ja, also was ist vielleicht etwas, was ich nicht gesagt habe. Und ich danke Ihnen für diese Frage. Jede Erinnerung ist möglich nur, weil es eine Zukunft gibt. Wenn Sie erinnern, Sie können nur in die Zukunft hinein mit Ihrer Erinnerung gehen, wie Sie mit Ihrem Erinnern sind Sie auf die zukommende Zukunft angewiesen, und erst dann können Sie in die Vergangenheit sich begeben, also in Ihren Gedanken und so weiter. Also jede Vergangenheit ist etwas, was nicht mehr existiert, und wenn keine Erinnerung möglich wäre, dann wäre es dasselbe, als ob nichts passiert wäre. Also ich möchte unterstreichen, dass eigentlich wenn wir über Vergangenheit sprechen, also müssen wir aus der Gegenwart herausgehen. Das heißt, wir interpretieren das, was jetzt hier existiert, als Relikte, existierende Relikte der Vergangenheit, sonst gibt es keine Vergangenheit. Die Vergangenheit ist nicht mehr, die existiert nicht mehr, das einzige, was existiert, ist die jetzt existierende Relikte der Vergangenheit. Und diese Relikte sind wir imstande zu interpretieren als Vergangenheit. Zum Beispiel Archive, die Archivalien, die Dokumente, alten Dokumente und so weiter, das ist etwas, was existiert jetzt. Und wir müssen die Vergangenheit neu beleben durch unsere Interpretationen. Und diese unsere Interpretationen, das sind unsere Aktivitäten, die von der kommenden Zukunft abhängig sind. Wenn keine Zukunft existieren würde, dann würde auch keine Interpretation der Vergangenheit möglich und also keine Anknüpfung an die Relikte der Vergangenheit. Also ungefähr in diesem Sinne ist die Zukunft der Grund nicht nur der Gegenwart, sondern auch der ganzen Geschichte, die von unserer Interpretation, von unserem Verstehen, Verständnis abhängig wird. Es scheint ein bisschen subjektiv zu sein, ich weiß, aber ich glaube, dass das ganz durchsichtig ist, dass es anders eigentlich nicht geht. Es gibt keine Vergangenheit, also wir müssen sie neu konstruieren, neu interpretieren.
Und die zweite Frage, das ist ja, Zukunft und Möglichkeit. Also wenn wir Möglichkeit als dynamisch verstehen, also das ist etwas Gegebenes. Bei Aristoteles ist die Möglichkeit eine Art von Wirklichkeit, und hier gibt es dieses für mich Sophisma der Modalitäten, das ist nur eine Form, wie man der wirklichen Frage ausweicht, wie es eigentlich mit der nicht-existierenden, nicht-seienden Wirklichkeit, die aus der Zukunft herkommt, herankommt, wie es mit dieser zukünftigen Wirklichkeit ist. Also es ist keineswegs kann es als eine gegebene mögliche Wirklichkeit, eine gegebene Möglichkeit interpretiert werden. Also das heißt, weil die Zukunft etwas Grundlegendes ist, grundsätzliches ist, also ist es etwas Unmögliches. Die Zukunft gibt es keine, keine Zukunft gibt es als eine Möglichkeit. Die Zukunft ist unmöglich, sie kommt als Unmögliches. Die Möglichkeit ist immer in der Vergangenheit verankert. Das heißt, es gibt Relikte der Vergangenheit. Und Relikt zu sein, ja, das ist eine Möglichkeit. Aber die Zukunft kommt als etwas Unmögliches. Deswegen, wenn wir durch unsere Aktivitäten die Zukunft als Unmöglichkeit, ja, nein, das war doch, ja, ich weiß. Aber dann müssen wir, wenn wir es gebrauchen, da müssen wir gerade diese Begriffe uminterpretieren, umdeuten. Wenn wir etwas tun, dann öffnen sich Möglichkeiten, die bisher noch nicht da waren. Ohne unsere Tat wären sie unmöglich. Also eigentlich sind alle Möglichkeiten unmöglich. Und deswegen hat es keinen Sinn, über Möglichkeiten zu sprechen. Sie sind unmöglich. Und wenn sie möglich sind, dann sind es keine Möglichkeiten, sondern Gegebenheiten. Schon sind sie in der Vergangenheit gegeben. Es ist, sie entfalten sich nur, aber kommen nicht zutage als etwas Neues. Etwas Neues kommen sie zutage nur als Unmögliches.
Na und Freiheit und Notwendigkeit, das ist gerade, wir sind sehr in dem Kausaldenken verankert, wir denken immer so, dass am Anfang diese lineare Zeit, am Anfang sind die Dinge sehr alt, dann werden sie immer jünger und jünger, und gerade jetzt sind sie am jüngsten. Wenn wir es von außen als Beobachter so sehen, dann ist es ganz klar. Am Anfang des Mittelalters, das war das Ende von Rom und das war am Anfang. Am Ende, das war das Neueste vom Mittelalter, wenn die Neuzeit gekommen ist. Das war das Neueste, aber wenn wir es von der Seite des Subjekts sehen, natürlich bei den geschichtlichen Angelegenheiten gibt es keine Subjekte auf Mittelalter, das sind nur die Leute, die Subjekte. Ja, wenn wir aber einen Geist sehen, also wissen wir, dass er alt ist, jetzt. Das Neueste bei ihm ist das Altsein. Das Älteste bei ihm ist das Jungsein. Das Älteste bei ihm war seine Jugend. Ja, also in diesem Sinne müssen wir anders denken. Jedes wirkliche Ereignis beginnt als jung, und vor diesem Beginn ist es noch nicht. Also aus dem Nochnichtsein, aus der Zukunft kommt es, und es wird am Anfang jung, und dann wird es immer älter und älter, und am Ende endet es in einem Alter. Das ist das, wie es wirklich geschieht.
Wir müssen es als ein innerlich integriertes Ereignis sehen, und dann ist es ganz klar: Dann kommen alle Dinge von der Zukunft her, und sie kommen zu uns mit der Zukunft. Aber wie? Sie sind nicht gegeben. In der Zukunft ist nichts gegeben, aber trotzdem ist es keine Leere. Sie kommen als etwas, was sich erst... verdinglichen oder vergegenständlichen muss, und wir sind auch verantwortlich, dass wir dabei mit unserer Arbeit sind. Ja, wir sind verantwortlich, dass Dinge, gewisse Dinge, die sein sollen, sich verwirklichen.
Jiný hlas: [nesrozumitelné]
Hejdánek: Es klingt immer etwas suspekt, wenn wir über das bleibende Jetzt, nunc aeternum, sprechen, weil dadurch die Zeit verloren wird. Es ist immer, wenn wir über Christus sprechen, der immer derselbe bleibt, ist es immer sehr problematisch, weil wir dadurch die Geschichte verlieren. Aber wir wissen doch, dass das Hauptsächliche im Christentum, das Hauptsächliche in der Inkarnation, gerade das Sich-Ereignende ist, nicht das, dass für alle Zeiten dasselbe bleibende. Entweder ist Inkarnation etwas ganz Fundamentales für das Christentum, und dann verändern sich die Dinge, oder verändern sich die Dinge nicht – die Hauptdinge, die ganz grundsätzliche Wirklichkeit – verändert sich nicht, und dann Inkarnation ist nichts.
Also, ich meine, dass dieses nunc aeternum, dieses Unterstreichen des Bleibenden... Ich weiß nicht, wahrscheinlich haben Sie nicht ganz verstanden, was ich sagte, oder habe ich es schlimm gesagt... Sie haben über das Bleibende, über das Erfüllte gesprochen, als ob es mein Standpunkt wäre. Nein, das war nicht so. Also, wenn wir über dieses Erfüllte, die Erfüllung, das Vollkommene, über das Bleibende und so weiter sprechen, also sind wir immer in den Gleisen, auf den Gleisen des griechischen Denkens. Also das müssen wir korrigieren. Das ist die alte griechische Metaphysik.
Jiný hlas: [nesrozumitelné]
Hejdánek: Das glaube ich auch. Nur dass wir im Klaren darüber sein müssen, dass telos im Neuen Testament uminterpretiert wird. Das ist kein telos im griechischen Sinn, beziehungsweise im aristotelischen Sinn. Telos bei Aristoteles ist im vornherein schon hier als morphé. Als morphé, die ganz überzeitlich ist. Telos im Neuen Testament ist geschichtlich gedacht. Ja, deswegen das... das Unterstreichen des eschaton. Eschaton nicht im Sinne des telos, des gegebenen telos, der hier in ein paar Tagen, ein paar Jahren, in ein paar tausend Jahren kommt, sondern das ist ein telos aller Dinge. Nur in diesem Sinne kann man es interpretieren, und dann ist es geschichtlich.
Ja, es ist eigentlich das telos der Geschichte, also außergeschichtlich. Das ist etwas, was mit der Geschichte ein Ende macht. Aber wir leben in der Geschichte, wir sind nicht aus der Welt, sondern in der Welt, in der Geschichte. Deswegen bis zu dem letzten Tage, zu dem jüngsten Tag, müssen wir in der Geschichte bleiben und nicht uns an die außergeschichtlichen, außerzeitlichen Begebenheiten oder Wirklichkeiten zu orientieren. Deswegen zum Beispiel spricht Jesus, wenn er mit seinen Jüngern zusammen ist, wenn sie sich wundern, was er tut, also er sagt: „Ja, solche Dinge werdet auch ihr tun und noch größere.“ Ja? Also, das heißt, dass auch Jesus kein Endpunkt der Geschichte ist, da geht alles immer vorwärts, und deswegen ist er der Herr der Zukunft und nicht der, der seit zweitausend Jahren zurückliegt.
Und das Problem, welche Unterscheidung zu machen ist zwischen der Zukunft, die auf uns zukommt, und der Zukunft, die wir machen. Diese Unterscheidung ist immer wieder, also in meiner Generation, von politischer, also von der Gesellschaft und von der europäischen, also von der ganzen Geschichte her, ein wenig untergegangen, weil wir immer versuchten, diese Zukunft, die wir machen, also apokalyptisch zu halten. Das heißt unter dem Aspekt: wir müssen es schon heute machen, wir müssen schon heute unterscheiden das, was hier also auf uns zukommt. Und dann kommt eine riesige Frage: wie sieht die Zukunft, die Zukunft, die auf uns zukommt, als eine neue Geschichte, als eine neue Welt aus? Und das ist etwas, was in der... [nesrozumitelné] theologie heute fast zu viel wird, also nur zu einigen Momenten kann ich etwas dazu sagen. Nur anfangs war eine, also nehmen Sie es mir nicht übel, dass ich mich nur auf einige Punkte konzentriere. Also die Frage der, wir können sagen, der echten und unechten, wahren und unwahren Zukunft. Ja, eigentlich die Futurologen sprechen nur über die futurologische Zukunft. Zukunft ist das, was man nicht errechnen kann. Das, was man errechnen kann, das sind nur Überbleibsel der Vergangenheit. Also, und können wir so eine wahre Zukunft als innerweltlich verstehen? Nein. Zukunft ist immer, die wirkliche, die wahre Zukunft ist außerweltlich.
Ich habe ein tiefes Verständnis für Karl Rahner, der, ich weiß, dass er dann selbst ein bisschen kritisiert wurde, und was er auch alles dann weicher sagen wollte, aber für mich ist es ein epochaler Gedanke, wenn er über Gott als absolute Zukunft sprach. Da für mich galt es als eine sehr präzise Formulierung von etwas, was grundsätzlich wirklich ist. Natürlich kann man es auch kritisieren, es hat gewisse Konsequenzen, die ein bisschen problematisch sein können und so weiter, aber man muss den Gedanken verstehen, man muss es akzeptieren und nachdenken. Ja, es ist also eigentlich alle wirkliche, alle wahre Zukunft ist in der absoluten Zukunft verankert. Und von dieser absoluten Zukunft kommt sie. Es gibt keine andere Zukunft als die aus der absoluten Zukunft kommende.
Und wie kommt die nicht mehr absolute, aber doch noch nicht seiende Zukunft als diese Herausforderungen? Doch, das ist, es ist keine leere Zukunft, es ist eine strukturierte Zukunft. Und das ist auch eine Metapher, wenn ich über Herausforderungen spreche. Wir haben noch keine Wörter dafür. Eigentlich handelt es sich um eine neue, ganz neue Dimension der Wirklichkeiten, die nicht sind, aber sind wirklich. Also das ist das Problem. Wir sind immer, wir leben immer in dieser, in diesem Strom des griechischen Denkens und wir wissen nicht, wie wir darüber sprechen sollen. Ja, es gibt natürlich auch die Atomisten sprachen, dass das Nichts nicht weniger seiend ist als das Seiende.
Ja, also ein Paradox existierte schon damals, aber es wurde kritisiert und natürlich bei anderen Denkern sehr scharf kritisiert. Es war ganz anti-eleatisch oder gegen Parmenides. Für Parmenides war es ganz notwendig, das Sein als Seiendes zu denken und Nichtsein als Nichtseiendes. Wir wissen jetzt, dass es nicht so ist. Ich sollte vorgestern einen Vortrag haben über diese nichtseienden Wirklichkeiten, über Meontologie. Ich wollte dort auch über, meine Frau sagte mir in der Zwischenzeit jetzt, dass sie sehr froh war, dass ich nicht über den Hund gesprochen habe, dass ich schon tausendmal in Prag wurde gehört. Aber eigentlich, was ist ein Hund? Wenn ein Hund jetzt herkommt, das ist nicht der ganze Hund, das ist nur der Hund hic et nunc.
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Hejdánek: Ich dachte bisher an den Glauben und Verfall als das Phänomen vom Widerstand in einem Bereich einer abstrakten Definition zwischen dem Werden und dem Vergehen, aber eher als etwas Permanentes. Und dem thermodynamischen Verfallsprozess auf der einen Seite und auf der anderen Seite diesen Widerstand zu erhalten gegen diesen Verfall. In der Rede Jean-Pauls, Sartre, Martin Heidegger [nesrozumitelné]. Die Definition hier erst als Reaktion, Gegenposition, was das hier betrifft, zwischen dem Verfallsprozess, dem thermodynamischen Verfallsprozess die Orientierung, und dem Kern von Ich-Gleichgewicht, das ich brauche am Rand von dem Ort von Hier und Jetzt, gegenüber dem Verfall. Sartre und Heidegger sprechen vom Tod, während wir hier eine andere Tradition haben. Dennoch glaube ich, dass hier doch eine aktivistische Gegenbewegung gegen dieses notwendige Verfall existiert. Vielleicht kennen wir etwa die Idee des Widerstandes.
Aber ich glaube auch, der Glaube ist mehr als nur ein Gegenzug. Um ein Gegenzug gegen den Verfall zu sein, muss hier erst ein Verfall zu sein. Der Verfall wessen? Wo ist das geworden, was verfällt? Woher ist das gekommen? Und auf diese Weise ist der Glaube die Initialisierung von etwas Neuem. Natürlich alles, was durch den Glauben als Neues zur Vergegenständlichung, zur Verwirklichung gebracht wurde, alles das hat in sich eine Tendenz zu einem Verfall. Deswegen der Glaube muss damit auch rechnen. Es ist kein immer neuer Anfang desselben, sondern es ist eine Anknüpfung, eine Reaktion darauf, was hier schon errungen wurde von den vorhergehenden Aktivitäten, aus dem Glauben fundiert en Aktivitäten. Also, der Glaube ist aktivistisch, glaube ich. Also, das muss man, da gebe ich zu. Aber wir dürfen nicht den Aktivismus, den Aktionismus des Glaubens nur auf eine Reaktion auf den Verfall reduzieren. Natürlich, dann müssten wir etwas noch Drittes ausdenken, was integrieren und begründen für das, was ich jetzt, was jetzt verfällt, was jetzt untergeht. Also deswegen glaube ich, dass was die Funktion, die aktionistische Funktion des Glaubens, dass sie etwas mehr ist, als etwas Größeres, etwas Grundsätzlicheres ist, als nur eine Reaktion auf den Verfall. Es ist eine Reaktion auf das Nichts.
Jiný hlas: [nesrozumitelné]
Hejdánek: Ich gebe ganz offen zu, dass die Anwesenheit etwas sehr Wichtiges ist. Aber wir sind nicht imstande etwas vorgestern zu tun oder morgen, übermorgen oder sowas. Wir sind imstande nur jetzt etwas zu tun. In diesem Sinne ist die Gegenwart sehr wichtig. Aber welche Gegenwart kann einen Grund vorstellen für die Zukunft, die aus dieser Gegenwart entstehen sollte? Wir sprechen über eine aus der Gegenwart entstehende Zukunft. Aus welcher Gegenwart soll die Zukunft entstehen? Es gibt doch Myriaden von Gegenwarten. Es ist doch ein Augenblick nur die Gegenwart.
Jiný hlas: [nesrozumitelné]
Hejdánek: Ich verstehe natürlich, ich kenne all diese Formen und ich bin eben tief überzeugt, dass der Glaube im tiefsten Sinne eben diese Gegenwart ist. Wenn Sie also die Gegenwart als eine totale Gegenwart betrachten, so ist das eben diese Offenheit, wo man sich eigentlich von allem befreit hat, wo man also eine Gelassenheit im Sinne von Meister Eckhart gefunden hat und einfach bereit ist, sich dem, was kommt, offen zu halten. Und ich bin tief überzeugt, dass dieser Glaube an die Freiheit und an die Zukunft eben durch diese totale Gegenwart charakterisiert ist. Wenn ich mich von allen Momenten und von allen Bindungen befreien kann, die mich irgendwie binden an die Vergangenheit, an die herkömmliche Welt, habe ich eben die Freiheit gewonnen, etwas Neues zu machen, im Sinne des Glaubens etwas zu wagen, was noch nicht in dieser Welt vorhanden war. Aber ich spreche doch nicht von Nihilismus.
Mir scheint, dass der Nihilismus darin besteht, dass man sich immer noch an den Glauben an die Vergangenheit bindet. In dem Moment, wo ich eben diese totale Gelassenheit finde, dort ist kein Nichts, sondern ein Durchbruch der Freiheit. Und ich bin davon überzeugt, wenn man etwas über den Glauben an Gott sagen will, so kann man das nicht tun ohne diese totale Offenheit gegenüber der Zukunft, d. h. man muss die totale Offenheit gegenüber dem Gott offen halten. Ich sehe hier also keine Dimension von Angst.
Jiný hlas: Vielleicht noch ein Punkt. Ich denke doch, ich wollte keine neue Theorie mitsagen oder so suggestiv vortragen. Ich glaube, dass die Hauptsache wäre vielleicht, dass Sie akzeptieren werden oder mindestens ernst nehmen werden, dass wir als Christen eigentlich sehr wenig oder nichts darüber wissen, was das eigentlich der Glaube als Phänomen ist. Dass es eine Frage ist, wo es sich lohnt, nachzudenken und neu zu reflektieren.
Hejdánek: Natürlich ist es ganz notwendig, große Diskussionen anzufangen. Wahrscheinlich wird es einen, nicht nur Philosophen, sondern Theologen geben, der es ganz am Anfang neu denken und neu auszusprechen imstande sein wird. Wahrscheinlich muss man wieder neue Formeln sehr dringend, sehr, sehr vorsichtig und sehr kritisch beurteilen, kritisieren... aber es ist ganz notwendig.
Wir haben etwas fehlgemacht, fehlgedacht. Wir haben das sehr Wichtige, vielleicht das Wichtigste, aus unseren Augen verloren. Wir müssen es wieder auffinden. Wir dürfen nicht zu einfach das Wort Christi, das Evangelium, die christliche Botschaft mit der griechischen Tradition verwechseln oder als zusammenhängend ganz einfach beobachten. Wir müssen es trennen. Wir müssen es neu denken, ohne es mit dieser griechischen Tradition zu verwechseln oder in einer Einheit zu sehen.
Alles weitere ist das Zweitrangige. Das klar zu machen und das zu akzeptieren – von mir klar zu machen und das zu akzeptieren von Ihrer Seite – das wäre vielleicht das Einzige, was ich mir vorstelle als das wirklich Sinnvolle, was ich hier gesagt habe. Alles andere, das sind nur Versuche. Aber ich glaube, das ist das Fundament. Also ich bitte Sie auch in den zukünftigen Tagen und Monaten und Jahren darüber nachzudenken. Das ist alles, was ich mir wünsche. Ich danke Ihnen für [nesrozumitelné].